Russisches Berlin

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Kolonie Alexandrowka

Kolonie Alexandrowka

Interdisziplinäre Stadtführungen in Berlin

Stadtführungen in Berlin zur Stadtgeschichte

Russische Geschichte in Berlin

Die Geschichte der russischen Präsenz begann in Berlin im Jahre 1706 unter König Friedrich Wilhelm I  und dem russischen Zaren Peter I., der vorher bereits ausgedehnte Studienreisen nach Westeuropa unternommen hatte ( „Große Gesandtschaft“ von 1697), die zugleich der Gewinnung von Bündnispartnern dienten. Das Gelände, auf dem heute die Botschaft der Russischen Föderation steht, wurde 1837 von Zar Nikolaus I. gekauft und wurde in den nächsten Jahren mit einem repräsentativen Palais bebaut. Nach den Revolutionen in Russland von 1917 war es der Sitz der Delegation des sowjetischen Russlands. Nach dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion wurde es von den Deutschen zuerst als Internierungslager zum Austausch gegen inhaftierte deutsche Gefangene in der Sowjetunion benutzt, dann zeitweise als Sitz des „Ostministeriums“. Das Palais wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Nach der Gründung der DDR entstand auf dem Gelände das neue Gebäude der Sowjetischen Botschaft, das heute die Botschaft der Russischen Föderation beherbergt.

Im Norden Potsdams liegt die russische Kolonie Alexandrowka. König Friedrich Wilhelm III. hatte sie ab 1825 zum Andenken an seinen Freund, Zar Alexander I., dort errichten lassen. Knapp zweihundert Mitglieder eines russischen Soldatenchores lebten hier in einem „goldenen Käfig“. Nach dem Einmarsch Napoleons in Preußen waren es ursprünglich russische Kriegsgefangene, die nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon und dem späteren Einmarsch in Frankreich dem nun verbündeten Preußen kurzerhand zum Geschenk gemacht wurden. Das Leben in Alexandrowka war nicht einfach. König Friedrich Wilhelm III. verstand die russische Kolonie als eine große Geste an die russischen Kriegsgefangenen, die nicht freiwillig in Potsdam lebten. Das Haus der Aufseher, die die Russen bewachten, steht noch heute. Die Gebäude sind inzwischen restauriert: Es sind in Wirklichkeit Fachwerkhäuser, an die die halbrunden Holzbohlen einfach außen festgeschraubt wurden, um den typisch russischen Charakter zu vermitteln.

Bereits 1814/15 machte der Sohn Alexanders I. seine Bildungsreise durch mehrere Länder Europas. 1817 wurde die Tochter Friedrich Wilhelms III., Charlotte von Preußen, mit dem späteren russischen Zaren Nikolaus I. verheiratet. Anlässlich eines Besuchs Charlottes und des Zaren in Berlin und in Potsdam ließ der preußische König in der Nähe der heutigen Glienicker Brücke 1819 an der Havel zunächst das Blockhaus Nikolskoë – im Volksmund „Russisches Haus“ genannt – im Stil eines russischen Bauernhauses errichten. Diesem folgte anlässlich eines weiteren Besuchs seiner Tochter zwischen 1834 und 1837 ganz in der Nähe der Bau der Kirche Nikolskoë, der Kirche Peter und Paul, für die Bewohner Klein-Glienickes und von der Pfaueninsel.

Kirche "Peter und Paul"

Kirche "Peter und Paul"

Zu Begegnungen der russischen und deutschen Bevölkerungen kam es vor allem dadurch, dass russische Kosaken auf ihrem Weg nach Paris durch die deutschen Städte und Dörfer kamen. Unter der „Knute“ zu stehen wurde in dieser Zeit ebenso sprichwörtlich wie das Bild vom pedantischen Deutschen. Man darf nicht vergessen, dass das deutsch-russische Verhältnis während des 19. Jahrhunderts vor allem von der Teilung Polens geprägt war. Vieles, was man hierzulande als typisch Russisch wahrnahm, war in Wirklichkeit Polnisch. „Nastrovje“ ist bis heute ein bekanntes Beispiel dafür.

Nach den Russischen Revolutionen im Jahre 1917 und den folgenden „politischen Säuberungen“ verließen mehr als 600.000 Russen ihre Heimat. Die meisten suchten Zuflucht in Berlin, der ersten Stadt Westeuropas – und oft das Sprungbrett nach Paris und nach Amerika. Der russische Rubel war in den Zeiten der Inflation in Deutschland eine konvertierbare Währung. Daher galten die Sowjets im Gegensatz zu den Berlinern in dieser Zeit als reich. Mit der späteren Einführung der Rentenmark kehrten viele Sowjets in ihre Heimat zurück.

180.000 Russen blieben in Berlin und lebten vor allem in Charlottenburg („Charlottengrad“), Wilmersdorf und Schöneberg. Knapp vierzig russische Zeitschriften gab es in der Stadt, fast 90 russische Verlage und Buchhandlungen. Die angesehensten Schriftsteller lebten hier, und es wurden in der Zeit in Berlin mehr Bücher auf Russisch veröffentlicht als in Moskau oder in Sankt Petersburg. Doch Russen und Deutsche lebten eher nebeneinander und blieben unter sich, deutsch-russische Kontakte gab es kaum. Viele verließen Deutschland nach der Machtergreifung Hitlers - vor allem nach Paris.

Sowjetisches Ehrenmal in Treptow

Sowjetisches Ehrenmal in Treptow

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele russische Zwangsarbeiter und verschleppte Russen nicht wieder in die Sowjetunion zurück, weil sie unter dem Stalinismus dort nun als Kollaborateure verfolgt wurden. Die Zahl belief sich in Deutschland auf wohl 250.000.

Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren gingen zahlreiche Dissidenten ins Exil nach Westeuropa und nach Nordamerika, oder sie wurden ausgebürgert. Einige gingen in die BRD, ganz wenige kamen nach West-Berlin.

Eine andere russische (besser: sowjetische) Auswanderungswelle verlief nach dem Zweiten Weltkrieg eher schleichend und nahm erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein größeres Ausmaß an: Zuerst waren es vor allem Menschen, die sich der Herkunft ihrer Vorfahren nach als Russland-Deutsche bezeichnen, die unter Stalin oft verfolgt und nach Sibirien zwangsumgesiedelt oder deportiert wurden. Nach der Auflösung der Sowjetunion hatten vor allem die Minderheiten, darunter viele Juden, in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion unter den zunehmenden Nationalismus-Wellen zu leiden (→Jüdisches Berlin II), die vielerorts faschistische oder nationalsozialistische Züge annahmen – bis heute.

Die offizielle DDR übernahm in der Zeit des Kalten Krieges das sowjetische Vorbild: „Stalinstadt-Eisenhüttenstadt“ steht ebenso dafür wie die Bauten auf der heutigen Karl-Marx-Allee zwischen Mitte und Friedrichshain oder auch die „Gesellschaft für Deutsch-sowjetische Freundschaft“, die in der DDR als Massenorganisation Kenntnisse über die Kultur und Gesellschaft der Sowjetunion vermitteln sollte. Russisch war in den Schulen der DDR obligatorische erste Fremdsprache.

„Russen“, darunter verstand man umgangssprachlich in der DDR vor allem die Besatzungsmacht der Sowjetunion. Dabei spielte das Speziallager Sachsenhausen in der Vorstellung eine Rolle, ebenso die Kasernenstadt Wünsdorf. Über die offiziellen deutsch-russischem Begegnungen reichten die Kontakte in aller Regel nicht hinaus, zu wirklichen Freundschaften kam es kaum. In der Zwieseler Straße 4 in Karlshorst befand sich zu Zeiten der DDR das „Kapitulationsmuseum“; seit 1995 versteht sich das heutige „Deutsch-Russische-Museum Berlin-Karlshorst“ als eine Begegnungsstätte von Russen und Deutschen. Ihr Anliegen ist auch die gemeinsame Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg.

In Ost-Berlin übernahm ab 1984 vor allem das „Haus der sowjetischen Wissenschaften und Kultur“ in der Friedrichstraße die offizielle Darstellung der Sowjetunion. Es war die größte derartige Institution außerhalb der Sowjetunion. Das heutige „Russische Haus der Wissenschaft und Kultur“ versteht sich als eine Brücke zwischen „deutschen und russischen Landsleuten“.

Russisches Geschäft in Charlottenburg

Russisches Geschäft in Charlottenburg

Heute gehören vor allem russische Lebensmittelgeschäfte zum Bild der Stadt, und es erscheinen mehrere russische Zeitungen in Berlin. Es gibt russische Hotels, russische Restaurants und viele Russen zieht es wieder nach Charlottenburg. Selbst große Supermarktketten haben sich mit russischen Produkten auf die Kunden eingestellt. Aber noch immer ist das Leben eher von einem Nebeneinander statt eines Miteinanders geprägt.

Russisch-orthodoxe Kirche in Berlin

Russischer Friedhof: Eingang mit den geraubten Glocken

Russischer Friedhof: Eingang mit den geraubten Glocken

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die einzige russisch-orthodoxe Kirche in Berlin die Berliner Botschaftskirche Heiliger Vladimir in der Straße Unter den Linden.

Zwischen 1893 und 1894 wurde in der Wittestraße 37 in Tegel der bisher einzige russische Friedhof in der Stadt angelegt, der zum Friedhof für zahlreiche Exilrussen in Deutschland wurde, später auch für Kinder aus den nationalsozialistischen Zwangsarbeiterlagern in Reinickendorf. Für die Anlage des Friedhofs wurden ursprünglich 4 Eisenbahnwaggons mit 200 Tonnen russischer Erde nach Berlin transportiert. Die Glocken am Friedhofseingang wurden von den Deutschen während des Russlandfeldzugs in der Sowjetunion geraubt, dann von der Roten Armee sichergestellt und nun in Reinickendorf aufgestellt. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahre 1899. Daran angeschlossen ist die Heilige Apostelgleichen Konstantin und Helena Kirche aus dem Jahre 1893 im russisch-byzantinischen Stil mit blauem Dach. Bis 1905 hielt auch die griechisch-orthodoxe Kirche in der Wittestraße ihre Gottesdienste in ihrer Muttersprache in der Kirche ab.

Im nationalsozialistischen Deutschland wurde zwischen 1936 bis 1938 am Hohenzollerndamm 166 in Wilmersdorf anstelle der abgerissenen alten russisch-orthodoxen Kirche die neue Christi Auferstehungskathedrale als dreischiffige Basilika im russisch-byzantinischen Stil gebaut. Die Ikonostase stammt noch aus dem Vorgängerbau - ursprünglich allerdings aus einer Kirche bei Warschau.

Im März 2008 wurde die Kirche in der Wintersteinstraße 24 in Wilmersdorf, der ältesten russisch-orthodoxen Gemeinde Schutz der Gottesmutter (russ.: Polerov Bogorodizy) eingeweiht. Im Oktober 2009 wurden zwei vergoldete Zwiebelturmspitzen aufgesetzt.

Es gibt heute in Berlin mehrere russische Gemeinden. Die deutsche Eparchie (Erzbistum) der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland befindet sich heute in Berlin und wurde 1992 aus den vormals drei in Deutschland bestehenden Diözesen des Moskauer Patriarchats heraus gegründet.

Eingangsportal der Botschaft der Russischen Föderation

Eingangsportal der Botschaft der Russischen Föderation

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