Buddhismus
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Buddhistische Lehre
Der Buddhismus geht nach seiner Tradition auf Siddharta Gautama zurück, der ab zirka 530 v.Chr. als „Buddha“ (Sanskrit; Erwachter, Erleuchteter) im Park von Benares (heute Sarnuath) in Nordindien lehrte. Danach ist jeder Mensch ein „Buddha“. Der Begriff ist ein Ehrentitel, das sich auf ein Erlebnis bezieht, das zum „Bodhi“ (Sanskrit; Erwachen) führt. Es ist nach dem Dharma (Sanskrit; Lehre) die befreiende Einsicht von den Grundbedingungen des irdischen Lebens. Daraus ergibt sich das Ziel der buddhistischen Praxis: die Überwindung des leidhaften Daseins durch die Befolgung der Lehren Buddhas. Im Gegensatz zum Hinduismus wird von Extremen (asketisches Sicht-Selbst-Quälen, Hingabe an Lustobjekte usw.) abgeraten. Stattdessen soll man einen mittleren Pfad einschlagen. Das Dharma bezeichnet im Theravada die Lehre Buddhas, im Mahayana und Vajrayana auch die Lehren der Bodhisattvas. Daneben wird die Gesamtheit aller weltlichen Phänomene und Gesetzesmäßigkeiten ebenfalls als Dharma bezeichnet. Das Tripitaka (Sanskrit; Deierkorb) ist die älteste, zusammenhängend überlieferte Sammlung der Lehren Buddhas und wurde zuerst in der mittelindischen Pali-Sprache verfasst.
Zu den grundlegenden Begriffen des Buddhismus gehört „Karma“ (Sanskrit; Tat, Wirken). Es bezeichnet unsere Bindung an die Erscheinungen dieser Welt und das Begehren (Gier, Hass, Ichsucht). Daraus entstehen Taten mit Wirkungen und wiederum Rückwirkungen auf uns selbst. Die Wirkungen sind mit dem Tod nicht abgeschlossen, sondern erzeugen eine Folge von Wiedergeburten (Sanskrit: Samsara; ständiges Wandern). Alle Wesen sind durch ihre Taten, Gedanken, Emotionen, Wünsche und Begierden durch das Karma in diesem Kreislauf gefangen. Das Ziel des Buddhismus ist es, diesem Kreislauf zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird, Handlungen in dieser Welt keine Spuren mehr hinterlassen. Erst das Erkennen und Überwinden der karmischen Kräfte ermöglicht das Verlassen des Kreislaufs. Das wird als Eingehen ins Nirvana (Sanskrit; hinauswehen, erlöschen) bezeichnet. Nirvana ist das Verlassen von Samsara, dem Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Es tritt nicht unbedingt erst mit dem Tod ein, man kann bereits im Leben Nirvana erfahren. Nirvana ist kein Ort. Das Verlöschen im Nirvana nach dem Tod wird als „Parinirvana“ bezeichnet.
„Punabhava“ (Sanskrit; erneutes Werden) ist ein Begriff aus der indischen Philosophie und ist älter als der Buddhismus. Dort ist Attman (Sanskrit; das Selbst) eine Art persönliche Seele. Im Buddhismus wird die Existenz von Attman abgelehnt als Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt. Denn es setzte sich aus dem körperlichen Empfinden, der Wahrnehmung, den Gemütsbewegungen und dem Bewusstsein zusammen. Es würde dem Werden, dem Sich-Wandeln und Vergehen unterliegen und könnte daher nicht wiedergeboren werden. Attman ist aus der Sicht des Buddhismus eine Illusion. Der Buddhismus ersetzt Attman durch „Anatman“ (Sanskrit; Nicht-Selbst). Die Reinkarnation ist nach den Lehren des Buddhismus also keine Seelenwanderung, sondern nur ein Impuls aus dem Karma des Verstorbenen. Die Wiedergeburt vollzieht sich solange, wie die vorherrschenden, nach Realisierung drängenden Kräfte noch vorhanden sind. Diese bedingte Entstehung (Sanskrit: Pratiyasamutpada) ist eines der zentralen Konzepte des Buddhismus.
Ein Bodhisattva (Sanskrit; erwachtes, erleuchtetes Wesen) ist ein erleuchtetes Wesen, das auf eigenem Wunsch wiedergeboren wird, um anderen Wesen zu helfen. Er gibt das Versprechen, erst dann in die nachtödliche Erlösung (Parinirvana) einzugehen, wenn alle Wesen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt, dem Samsara, befreit sind.
Mantras (Sanskrit: „Man“, denken; „Tra“, beschützen) sind aus Indien seit dem zweiten Jahrtausend v.Chr. bekannt und bezogen sich auf Götter oder Geister. Die Wiederholung eines Mantras wird als „Jopa“ bezeichnet. Das aus dem Sanskrit stammende „Om Mani Padme Hum“ ist das bekannteste Mantra des Buddhismus. „Om“ und „Hum“ stehen sozusagen für Anfang und Ende. „Mani Padme“ bedeutet Juwel im Lotus: das Absolute, das in allem enthalten ist. Es ist das Mantra des Bodhisattva Avolokiteshvara, der Personifizierung des grenzenlosen Mitgefühls für alle Wesen. Es dient zur Anrufung des Bodhisattva selbst, die Rezitation des Mantras soll das Bewusstsein von allen möglichen Emotionen befreien und in sich selbst Mitgefühl erzeugen. „Om Tare Tutare Ture So Ha“ ist das Mantra des bekanntesten nur wenigen weiblichen Bodhisattwas vor allem in der tibetischen Tradition, der Grünen Tara. Sie personifiziert die Prinzipien der weiblichen göttlichen Weisheit im Menschen und das aktive Mitgefühl. Es soll vor allem vor den acht schlimmsten Gefahren schützen: den Löwen (Stolz), Elefanten (Verblendung), Feuer (Zorn), Schlangen (Eifersucht), Räubern (irrige Ansichten), Fesseln (Geiz), Flut (Begehren) und Gespenstern (Zweifel). „Om“ steht für die Göttlichkeit, „Tare Tuttare Ture“ ist die Befreiung von den acht Gefahren oder Ängsten und geistigen und körperlichen Krankheiten. „So Ha“ steht als Akklamationsformel für den Abschluss des Gebets wie auch das hebräische Wort „Amen“.
Der Buddhismus hat sich vor allem in drei Hauptrichtungen gespalten. Das Hinayana (aus der Sicht des Mahayana; Sanskrit; kleines Fahrzeug) entstand am Anfang des 4. Jahrhunderts v.Chr. und besteht als Tradition nur noch in Form des Theravada („Lehre der Älteren“), der sich aus einer angenommenen Urform des Buddhismus, dem Sthaviravada (Sanskrit; Lehre der Ältesten) ableitet. Diese Tradition führt sich selbst auf die Mönche zurück, die die Lehre noch direkt vom Buddha gehört hätten. Das Theravada ist vor allem in den Ländern Süd- und Südostasiens verbreitet. Heute wird der Begriff des Hinayana von den Schulen abgelehnt, da der Begriff aus der Tradition des Mahayana stammt und deren Dominanz widerspiegelt. Das Mahayana (Sanskrit; großes Fahrzeug) führt sich vor allem auf die Mahasanghika (Sanskrit; Große Gemeinde) zurück, einer Tradition, die sich als Folge aus dem zweiten buddhistischen Konzil – etwa hundert Jahre nach Buddha – entwickelte. Es verwendet neben dem Tripitaka auch noch eine Reihe von im Sanskrit abgefassten Texten, die zusammen die „Sutras“, den Sanskrit-Kanon, bilden. Im Unterschied zur Tradition des Theravada, in der das Errreichen von Bodhi durch das eigene Bemühen im Vordergrund steht, nehmen im Mahayana die Bodhisattwas eine entscheidende Rolle ein. Bedeutende Schulen des Mahayana sind der Zen- und der Anitabha-Buddhismus. Im Mahayana entstand auch die Auslegung von einer Identität von Samsara und Nirvana. Das Vajrayana (Sanskrit; diamantenes Fahrzeug) ist ein Teil des Mahayana und ein Sammelbegriff für verschiedene Schulen, die außer im Tibet auch in China, der Mongolei, Japan, geschichtlich auch in Indien und Südostasien, verbreitet sind. In Europa wird er durch das öffentliche Auftreten des Dalai Lama oft als „Tibetischer Buddhismus“ oder „Lamaismus“ bezeichnet. Im Vajrayana wird der Mahayana vor allem durch tantrische Techniken ergänzt, die den Bodhi deutlich beschleunigen sollen: durch das Rezitieren von Mantras und andere tantrische Techniken oder durch Visualisierung beispielsweise. In allen drei Richtungen sind die monastischen Orden die Hauptträger der buddhistischen Lehren und für die Weitergabe der Tradition/en verantwortlich.
Buddha-Reliefbild im Buddhistischen Haus