Treptow

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Stadtführungen in Treptow

Individuell ausgearbeitete Stadtführungen

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Berlin-Treptow, Treptower Park an der Spree

Berlin-Treptow, Treptower Park an der Spree

Stadtführungen durch das unbekannte Berlin

Treptow und Köllnische Heide

Von der alten Doppelstadt Berlin und Cölln aus betrachtet war Treptow südöstlich gelegen und bezeichnete ein Gebiet südlich des Floßgrabens. Der Floßgraben wurde später zum Landwehrkanal ausgebaut und bildet bis heute die Grenze zwischen den Stadtteilen Kreuzberg und Treptow. Dazwischen lag ein sumpfiges Heidegebiet.

1435 bekam Cölln das Heidegebiet zur Holzbewirtschaftung zugesprochen, das seitdem „Köllnische Heide“ heißt. Das Gebiet des heutigen Alt-Treptow wurde von einer slawischen Bevölkerung etwa seit dem 7 Jahrhundert besiedelt. Ausgangspunkt der Besiedelung war das Gebiet des heutigen Restaurants „Haus Zenner-Eierschale”. Auf dem Gelände wurden in den 1950er Jahren bei Ausgrabungsarbeiten Eichenpfähle und ein inzwischen vertorfter sieben Meter breiter Graben entdeckt, die auf einen slawischen Burgwall schließen lassen. Ein zweiter Burgwall wurde bereits am Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe des Kiehnwerder gefunden. Die Bedeutung des Namens Treptow ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Er könnte vom slawischen Präfix „Treb“, „feuchtes Niederungsgebiet“, abgeleitet oder aus dem slawischen „Drevo“ oder „Drevko“: Gehölz, Unterholz entstanden sein.

Bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde von der damaligen Stadt Cölln die „unbedeutende Fischerei Trebow“ am südlichen Spreeufer erworben. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Fischerei an den Fischer Andreas Neuendorf für fünfzig Jahre in Pacht gegeben. Andreas Neuendorf gilt somit als erster (deutscher) Bewohner Treptows in einer ansonsten unbewohnten Gegend. Das Gebiet der Fischerei umfasste eine kleine Insel (heute Insel der Jugend), die von der Spree und einem Graben umgeben war.

Berlin-Baumschulenweg, „Haus Zenner“

Berlin-Baumschulenweg, „Haus Zenner“

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erwarb Erdtmann Schmoll, Küchenmeister des Kurfürsten Friedrich Wilhelm das verwüstete Gebiet. Auf der Insel baute er ein Anwesen, das über eine Zugbrücke zu erreichen war. Auf dem Gelände der alten Fischerei ließ er ein Wirtshaus bauen, in dem auch Bier ausgeschenkt wurde. Das Gasthaus hieß seitdem „Spreebudike“. 1734 kam neben dem Wohn- und Gasthaus noch eine Kegelbahn dazu, und das Gelände bekam den Charakter eines „Märkischen Kruges“, der zunehmend auch die Berliner in die Gegend lockte. 1817 verfügte der Berliner Magistrat die Errichtung eines städtischen Gasthauses „in elegantem Style“ und die Umwandlung eines Teils des Geländes in einen Lokalgarten für das feinere Publikum. Das „Gasthaus Treptow“ wurde am 11. Juni 1822 eröffnet und galt als schönstes Wirtshaus in der städtischen Umgebung Berlins. Seit 1835 gelang es den Betreibern mit immer größerem Erfolg – mit Feuerwerk und Volksfestcharakter – die Berliner nach Treptow zu ziehen. Diese Tradition ist bis heute als „Treptow in Flammen“ erhalten geblieben. Trotz der schlechten Straßenverhältnisse wurde 1848 ein Pferdeomnibusbetrieb nach Berlin aufgenommen. 1864 begann der Linienbetrieb der Berliner Dampfschifffahrt, die die Anlegestelle am Hausgarten  jetzt regelmäßig ansteuerte. 1880 übernahm der Gastwirt Rudolf Zenner das Treptower Magistratsgasthaus, unter dem der Betrieb noch einmal einen erheblichen Renomeezuwachs erfuhr - und von dem die 1876 gegründete Landgemeinde Treptow erheblich profitierte. Das Zenner als Vergnügungsstätte bot den Berlinern eine umfangreiche Bühne zum Feiern und Schwofen und das mit beinahe täglich wechselnden Belustigungsprogrammen. Zenners Nachfolger richteten sich mit ihren Geschäftskonzeptionen mal an die deutsch-national gesinnte deutsche Mittelschicht, dann wieder an die Hautevolee. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Betrieb mit einem bescheidenen Speisen- und Getränkeangebot. Begünstigt wurde die Restauration durch die kaum beschädigten Berliner Brauereien, die schon kurz nach der Beendigung der Kampfhandlungen die Bierproduktion wieder aufgenommen hatten. 1955 wurde der Neubau, der sich äußerlich an den Vorgängerbau anlehnte, eröffnet. Bis 1961 blieb die inzwischen HO-Gaststätte eines der beliebtesten Gartenlokale Berlins. Nach dem Mauerbau war es noch eines der wichtigsten Ausflugsziele der Ost-Berliner mit unzähligen Veranstaltungsprogrammen. Nach der deutschen Neuvereinigung wurde es 1992 als „Zenner-Restaurations GmbH-Haus Eierschale“ wiedereröffnet.

Unter dem preußischen König Friedrich II. wurden im Rahmen der Binnenkolonisation ab 1779 auch im heutigen Alt-Treptow Familien angesiedelt. Der heutige Verlauf der Puschkinallee und die Straße Alt-Treptow entstanden erst im 19. Jahrhundert. Die Kolonisten versuchten vom Ausflugsverkehr zur damals noch „Spreebudike“ zu profitieren und eröffneten an der heutigen Krugallee weitere Gaststätten, was ihnen von den Behörden untersagt wurde. Durch einen Trick umgingen die vor allem aus Sachsen stammenden Kolonisten die Ausschankbeschränkungen. Sie gestatteten den Berlinern, ihren eigenen Kaffee mitzubringen. Gegen ein Entgelt bekamen sie heißes Wasser sowie Milch und Geschirr. „Hier können Familien Kaffee kochen“ wurde in Treptow zum geflügelten Wort. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden weitere kleine Gasthöfe an der heutigen Neuen Krugallee mit Sommergärten. Das lockte reiche Berliner an den Ort. Die Straße Am Treptower Park wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer vornehmen Prachtstraße. Im Laufe der Zeit wurden die kleinen Gastbetriebe von finanzstarken Unternehmern und großen, modernen Gastbetrieben verdrängt. Im Treptower Park fanden seit dem Nationalsozialismus Vergnügungsveranstaltungen mit immer stärkerem Volksfestcharakter statt, die im Plänterwald auch während der DDR-Zeit fortgesetzt wurden.

Berlin-Niederschöneweide, ehem. Rangierbahnhof Schöneweide

Berlin-Niederschöneweide, ehem. Rangierbahnhof Schöneweide

Industrialisierung in Treptow

Mit der Eröffnung der Görlitzer Eisenbahn im Jahre 1866 entstanden entlang der Bahnanlagen Industriegebiete, die dörflichen Ortschaften entwickelten sich immer mehr zu Stadtteilen Berlins. Nicht nur zwischen Alt-Treptow und Kreuzberg sowie am Rummelsburger See entstanden zahlreiche Industriebetriebe.

Der Name „Schöne Weyde“ wurde das erste Mal 1588 in einem Reisebericht des Kurfürsten Joachim II. Hector erwähnt – als eine ausgedehnte Uferwiese auf der linken Seite der Spree. Dort entstand später eine Schwelerei zur Herstellung von Teer. Während der Besiedelung unter Friedrich II. kamen Kolonisten auch nach Niederschöneweide. Dort entstanden nun Textilmanufakturen. 1834 siedelte sich die Kattundruckerei „Wolf“ mit 13 Dampfmaschinen in Niederschöneweide an. 1869 folgte die „Shoddy- und Wollwarenfabrik” von John Blackburn. Mit dem Betrieb kamen britische Fachkräfte mit ihren Familien an den Ort. Nach der Textilindustrie kamen die chemische Industrie (seit 1928 „Kali Chemie AG“), Metall verarbeitende Betriebe und mehrere Brauereien dorthin. Auf der anderen Spreeseite – in Oberschöneweide – siedelten sich später die AEG und weitere Unternehmen an. Schöneweide entwickelte sich zum größten Berliner Industriegebiet.

Berlin-Bohnsdorf, „Tuschkastensiedlung“ (Bruno Taut)

Berlin-Bohnsdorf, „Tuschkastensiedlung“ (Bruno Taut)

Bohnsdorf ist ähnlich alt wie Berlin und Cölln. Die heutige Joachimstraße wird ebenso wie das Schloss Köpenick als einer der möglichen Todesorte des Kurfürsten Joachim II. Hector gehandelt, der am 3. Januar 1571 starb. Das Dorf erlebte während des 18. Jahrhunderts durch die Binnenkolonisation einen Bevölkerungszuwachs und auch einen wirtschaftlichen Aufschwung und profitierte von der Umgebung von Berlin. Die Dorfkirche ist eines der wenigen Beispiele barocker Sakralbauten in der Mark Brandenburg. In der Gründerzeit  entstanden auf dem Dorfplatz die viereckigen Höfe, die heute unter Denkmalschutz stehen. Die 1877 gebaute Bockwindmühle des Dorfes steht heute im Berliner Museum für Verkehr und Technik. Altglienicke ist eine Gemeinde aus dem 19. Jahrhundert und geht auf das alte, im 14. Jahrhundert gegründete Dorf Glink zurück. Zur Zeit der Binnenkolonisation wurde der unabhängige Ort Neuglienicke gegründet, der später mit der älteren Siedlung zu Altglienicke vereinigt wurde. In den 1920er Jahren entstand hier die Gartensiedlung Altglienicke (in Bohnsdorf) von Bruno Taut, die als „Tuschkastensiedlung“ bekannt geworden ist und 2008 als eine von sechs Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Adlershof wurde bereits im 16. Jahrhundert von Büdnern besiedelt, dann , wie Treptow, durch die Binnenkolonisation Friedrichs II. als neuer Ort gegründet. Adlershof wurde mit der Eröffnung der Görlitzer Eisenbahn zum Industriestandort. 1909 eröffnete der erste deutsche Motorflugplatz in Joachimsthal. Um den Flugplatz herum bildete sich ein Wirtschaftszentrum mit Produktionshallen, Fliegerschulen und Unterkünften. 1912 wurde die „Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt“ als Vorgänger des „Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt“ gegründet. Auch die Polizeifunkstelle des Deutschen Reiches mit ihren 120 Meter hohen Sendetürmen befand sich dort. Nach 1945 wurde in Adlershof die „Akademie der Wissenschaften“ angesiedelt, nach 1950 entstand dort auch das Fernsehzentrum Adlershof. Dort ging 1952 der „Deutsche Fernsehfunk“ (DFF) in Betrieb. Ebenso waren Teile des Wachregiments „Feliks Dzierzynsky“, das der Staatssicherheit unterstand, in Adlershof stationiert und nutzte auch das Gelände auf dem ehemaligen Flugplatz. Das gesamte Gelände war zur DDR-Zeit von den Siedlungen rings herum abgeriegelt. Mit dem Verschwinden der DDR wurden die Betriebe „abgewickelt“, nach 1993 entstand dort der „Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Berlin“ (WISTA) mit einer ganzen Reihe von Einrichtungen.

Treptow ist seit 2001 ein Teil des Bezirks Treptow-Köpenick.

Berlin-Treptow, Festivalblume (Weltjugendspiele 1973) (Achim Kühn)

Berlin-Treptow, Festivalblume (Weltjugendspiele 1973) (Achim Kühn)

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